Halbinsel FinkenwerderAuf Finkenwerder – im Volksmund auch Finkenwärder, Finkwarder oder Finkenwarder (Finkeninsel) genannt – ist es manchmal stürmisch. So stürmisch, wie die Geschichte dieser ehemaligen Elbinsel!

Entstanden ist Finkenwerder 1248 in Folge der bislang schwersten Sturmflut, die die gesamte Region je zu verzeichnen hatte. So gewaltig, dass sie die damals schon eingedeichte Insel Gorieswerder einfach auseinanderbrach!

Ebbe und Flut, die Kraft der Elbe, sie haben die frühere Elbinsel und heutige Halbinsel bis in die Gegenwart geprägt. Gewaltig sind die Deichanlagen, die seit 1962 die rund 12.000 Einwohner schützen. Doch andererseits: gerade diese Begradigung der Elbe und die damit zusammenhängende Industrialisierung, sie wurde auch zum Totengräber – zumindest für das ehemalige Fischerdorf.

Dessen nördlicher Teil gehört schon seit 1445 zu Hamburg. Damals konnte man in den Sommermonaten noch trockenen Fußes über einige Holzlatten die Norderelbe nach Nienstedten überqueren. Kaum vorstellbar, denn heute beherrschen nicht selten Containerriesen gerade dieses besonders kräftige Teilstück der Elbe. Welch´ gewaltige Veränderungen müssen hier unter Hamburger Staatsflagge stattgefunden haben?

Das moderne Finkenwerder, es ist heute geprägt durch das große Airbus-Flugzeugwerk am Rande des Mühlenberger Lochs. Doch wie vergänglich solche Werke manchmal sind, wie sie dem Auf und Ab wirtschaftlicher Interessen unterliegen, das zeigt uns das Gelände kurz davor: heute von Grashalmen dominiert, war es einst Standort der Deutschen Werft, wo in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts 6000 Menschen arbeiteten.

Bekannt sind die Finkwarder Speeldeel, eine 1906 vom Heimatdichter Gorch Fock gegründete Tanz- und Gesangsgruppe, die durch viele Auftritte in Hörfunk und Fernsehen populär wurde. An jenen Gorch Fock erinnert noch heute ein gleichnamiger Park, wo unsere Radtour beginnt. Dem folgt ein kleines Stück durch eine alte Arbeiter- und Werkmeistersiedlung, die in typischer Hamburger Klinkerbauweise zu Zeiten der Großwerft errichtet wurde. Ähnlich widersprüchlich ist es auch auf dem Werksgelände selbst: heute eine Oase der Ruhe mit herrlichem Blick rüber auf die andere Elbseite nach Teufelsbrück, war es einst ein Ort, wo Tausende Zwangsarbeiter in der Nazi-Zeit gequält wurden. Andererseits war gerade die Deutsche Werft auch eine Hochburg des Widerstands gegen diese Tyrannei!

Fast idyllisch wirkt dann das alte Betonfundament des U-Boot-Bunkers Fink II, der erst seit 2006 wieder sichtbar ist. Eher laut wird es später, wenn wir am Geburtshaus von Gorch Fock sind, wo der Autoverkehr sich durch engste Straßen quält. Die verlassen wir schnell in Richtung des Naturschutzgebietes Alte Süderelbe. In historischer Zeit mal der Hauptarm der Elbe, wurde sie nach 1962 im Zuge von Hochwasserschutzmaßnahmen vom Elbstrom abgetrennt. Ehemaliger Auwald, Priele und Rinnen bezeugen diese Vergangenheit des heutigen Stillgewässers.

Über die nicht minderwertigen Westerweiden radeln wir weiter in Richtung des Süderdeichs auf den alten Rosengarten zu. Am Rande von Neuenfelde – hier verlassen wir Finkenwerder ein ganz kleines Stück – erreichen wir Bundts Gartenrestaurant, wo nicht nur das Obstanbaugebiet des Alten Landes beginnt, sondern uns duftender Kaffee und ein Stück Kuchen zu einer kleinen Verschnaufpause einladen.

Gestärkt lassen wir im Anschluss das moderne Finkenwerder gänzlich hinter uns: Dem Lauf der Alten Süderelbe folgend, radeln wir über grüne Lungen in den südlichen Teil der Halbinsel, wo bei St. Nikolai einst die Grenze zwischen Hamburg und Preußen lag. Vorbei an uralten Bauernhäusern geht es dann noch zum Museumshafen der Elbfischer, bevor unsere Radtour schließlich dort endet, wo sie etwa drei bis dreieinhalb Stunden zuvor begann: am Fähranleger Finkenwerder.

Alles auf einen Blick

Gruppen-Touren

Diese Tour führen wir in diesem Jahr nur für feste Gruppen durch. Das geht aber auch schon für kleinere Gruppen! Sind Sie daran interessiert, so erfahren Sie hier, wie Sie das organisieren können und was das dann kostet.

Treffpunkt:
S-Bahn-Station Landungsbrücken, Ausgang Hafentor.
Von dort geht es zunächst 30 Minuten mit dem Fährschiff bis zum Anleger Finkenwerder.
Dauer:
Ca. 2 bis 3 ½ Stunden.
Veranstaltungs-Nummer:
7500.
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