Unsere Fahrt auf dem Rad geht durchs Marschlande: Rothenburgsort, Entenwerder, Kaltehofe, der Wasserpark Dove Elbe, Ochsenwerder und Fünfhausen sind Stationen unserer Radtour durchs Grüne.

»Rothenborgs Ort« – einst der Ort, wo sich Hamburgs Patrizier, die mit Handel und Schifffahrt reich gewordenen »Pfeffersäcke« schon im 16. Jahrhundert, der lärmenden Stadt entfliehend, ihre ersten Landhäuser bauten, ihr sommerliches Eldorado, hier beginnt unsere Tour. In jenem Stadtteil der dann im 19. Jahrhundert, wie kaum ein anderer, zum Wohngebiet des modernen Industrieproletariats wurde.

Schöne mit reichhaltigem Stuck versehene Gründerzeitbauten bildeten in dieser Zeit die Kulisse für eines der lebendigsten Hamburger Stadtviertel. Dessen fast 50.000 Einwohner wohnten freilich eher im unübersichtlichen Geflecht der Treppenhäuser, die in den Hinterhöfen lagen. Meist so schlecht gebaut, dass sie die Feuchtigkeit des einst sumpfigen Grunds, nur so in sich aufsogen. Hier findet die Cholera-Epidemie von 1892 ihren Ausgangspunkt. In der Weimarer Republik zählte die Gegend dann zu den Hochburgen von SPD und KPD. Hier spielte Erwin Seeler um die Meisterschaft im Arbeitersportkartell für den FC Lorbeer vor 15.000 Zuschauern.

Von all dem ist wenig geblieben, denn kaum ein Stadtteil Hamburgs wurde im 2. Weltkrieg so sehr zerstört, wie Rothenburgsort. Doch das Wenige, was es noch gibt, wollen wir mitnehmen, bevor es dann weitergeht nach Entenwerder. Einst Standort des Zollhafens, wurde die Fläche inzwischen zu einem schönen Park. Direkt an der Elbe.

Entlang des Elbdeichs geht es dann weiter nach Kaltehofe, wo nach der Cholera-Epidemie Hamburgs erste Filtrationsanlagen für sauberes Trinkwasser entstanden. Seit 1990 stillgelegt, heute ein Eldorado für Zugvögel die hier rasten.

Und für grüne Amphibien aller Art. Im Rahmen eines »Agenda 21« Prozesses (damit beschreiben Stadtplaner bestimmte Beteiligungsprozesse in der Umgestaltung alter Flächen) wurde die

Aus der alten Anlage wurde das Industriedenkmal »Wasserkunst«. Mit etlichen Ausstellungs- und Freizeitflächen.

Doch der größte Teil der Anlage soll auch in Zukunft Naturschutzgebiet bleiben.

Einige Kilometer weiter sind wir mitten im Marschlande auf der Insel Billwerder. Umgangssprachlich wird von den »Vier- und Marschlanden« gesprochen. Doch das ist eigentlich nur einem verwaltungsrechtlichen Unfug aus der Nazi-Zeit geschuldet. Um die Landstriche besser zu kontrollieren, wurden sie im Zuge des »Groß-Hamburg-Gesetzes« vereinigt. Das Marschlande hat aber eine ganz eigene, von den Vierlanden deutlich zu unterscheidende Geschichte: 1395 einem Adeligen abgekauft, gehörte das Gebiet – samt seinen Bewohnern – schon seitdem zum Hamburger Staatsgebiet.

Doch die Menschen, die hier lebten, waren aus Sicht der »Pfeffersäcke« Menschen zweiter Klasse. In harter Arbeit waren sie zwar zuständig für die Versorgung der Städter mit Lebensmitteln, auch mit Getreide, doch bürgerschaftliche Rechte gestand man diesen Landarbeitern kaum zu.

Wie erwähnt, lebten die Menschen hier vor allem von der Landwirtschaft, vom Getreideanbau, auch vom Kohl und später der Kartoffel, die man auf kleinen Schiffen zu den Märkten in die Stadt transportierte. Zu der nicht enden wollenden Arbeit, kam ein ständiger Kampf ums Überleben. Immer wieder brachen die Deiche, wurden die Dörfer und Kathen von den gewaltigen Wassermassen der Elbe zerstört.

In historischer Zeit einst freie Menschen, Gleiche unter Gleichen, waren sie zudem nun aufgeteilt: in Hufner, den eher wohlhabenden Bauern, und den Kätnern, Landarbeitern und Tagelöhnern.

Die Schulbildung für deren Kinder überließ Hamburg noch bis in jüngste Zeit der Kirche. Organisten und Küster waren nebenberuflich auch Lehrer. Deren einziges Schulbuch bestand im Katechismus, der mit seinen beigegebenen Zahlen und seinem ABC den Landkindern die Grundlage für ihr Leben geben sollte.

Dazu im Kontrast steht der Prunk wunderschöner Kirchen in den verschiedenen Dörfern. Eine dieser Kirchen, die Pankratiuskirche in Ochsenwerder, werden wir besichtigen.

Sie zeugen vom Reichtum der größeren Grundbesitzer, die im Dorf das Sagen hatten. Wer gegen sie oder gegen Hamburg rebellierte, kam, wie die »Hexe« Abelke Bleken, ins Feuer. Diese dunkle Seite der Geschichte, sie gehört dazu, wenn wir das Hamburger Marschenland kennen lernen möchten.

Bestaunen werden wir auch die zauberhafte Landschaft rund um die Dove und um die Gose Elbe. Am Wasserpark Dove Elbe genauso, wie im Naturschutzgebiet Reit oder rund um Ochsenwerder. Wir radeln auf der Strecke der ehemaligen Marschenbahn, nehmen den Duft saftiger Wiesen und blühender Felder in uns auf.

In Ochsenwerder besichtigen wir St. Pankratius mit der barocken Arp-Schnitger-Orgel. Der Kirchhof bildet mit dem alten Gemeindehaus aus dem 17. Jahrhundert ein malerisches Ensemble.

In Fünfhausen treffen wir auf gewaltige Bracks. Stille Zeugen der großen Sturmfluten, geben sie dem Land heute einen ganz besonderen Zauber. Vorbei an solchen Bracks geht es dann noch weiter bis nach Neu-Allermöhe, wo unsere Tour nach etwa 4 1/2 bis 5 Stunden – inklusive einiger Pausen – an einem S-Bahn-Haltepunkt endet.

Alles auf einen Blick

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Veranstaltungsnummer:
6500

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